Anna Josefine Holzer

Sonderpreis
Tanz und Performance
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© Stefan Sappert

Toxische Männlichkeit reframed

Das seit Jahrzehnten leerstehende Stidl-Wirtshaus im niederösterreichischen Pillichsdorf ist ein „lost place“ mit Patina. Für Generationen war das Dorfgasthaus Treffpunkt der Männer, ein Ort gelebter Rollenbilder und unausgesprochener Emotionen. Dieses Setting inspirierte Anna Josefine Holzer zu ihrem Kunstfilm „ES WIR(D)T – Männer weinen nicht“.

Die in Pillichsdorf aufgewachsene Künstlerin kehrte nach Ausbildungen in Tanz, Musikpädagogik und Kunsttherapie sowie ihrem Studium am Mozarteum Salzburg in ihre Heimat zurück. Als Choreografin, Performerin und Community-Workerin verbindet sie künstlerische Forschung mit sozialer Praxis.

Aus Recherchen zur Geschichte des Wirtshauses entwickelte sie gemeinsam mit Profitänzern, Männern aus dem Dorf, Kindern und Musikern ein vielschichtiges Generationenprojekt. Tanz und Performance bilden dessen Herzstück. Die Körper der Mitwirkenden werden zu Archiven von Erinnerungen und Gefühlen, die selten ausgesprochen werden. Choreografische Szenen verdichten persönliche und kollektive Geschichten zu Bildern von Härte, Nähe, Verlust und Verbundenheit. Bewegung wird dabei zur Ausdrucks- und Erkenntnisform zugleich und eröffnet neue Perspektiven auf Männlichkeit, Verletzlichkeit und Gemeinschaft.

Der knapp 25-minütige Kunstfilm erinnert in seiner Verbindung von Tanz, Dokumentation und gesellschaftlicher Reflexion an Projekte von Lloyd Newson/DV8 oder Wim Vandekeybus/Ultima Vez. Durch die Einbeziehung der lokalen Bevölkerung und die Arbeit am Originalschauplatz gewinnt er besondere emotionale Dichte. So entsteht ein eindringlicher Appell, die im Körper gespeicherten Erfahrungen ernst zu nehmen. Oder, wie es im Film lakonisch heißt: „Männer weinen dicht.“

MARKUS GREUSSING

Diese Textpassage stammt aus der Kulturpreis-Broschüre von 2026