Ein Leben für Buch, Kultur und Erwachsenenbildung
Über mehr als sechs Jahrzehnte hinweg hat August Breininger als Buchhändler, Langzeitbürgermeister und Kulturvermittler das kulturelle und erwachsenenbildnerische Leben Niederösterreichs in außergewöhnlicher Weise mitgestaltet.
Breininger wurde 1944 in Baden bei Wien geboren, besuchte in seiner Heimatstadt die Volksschule und das humanistische Gymnasium Biondekgasse, wo er 1962 maturierte. Anschließend wurde er im familieneigenen Betrieb zum Buch-, Kunst- und Musikalienhändler sowie im Lehrberuf Papierhändler ausgebildet. 1965 gewann er den Lehrabschlusswettbewerb als landesbester Buch- und Papierhändler Niederösterreichs.
Es folgten Studienjahre an der philosophischen und der juridischen Fakultät der Universität Wien, die mit der Übernahme der Buch- und Papierhandlung Mohr 1968 als selbständiger Unternehmer unterbrochen und nach der Wieder-aufnahme 2005 mit der Sponsion zum Mag. phil. im Jahr 2009 abgeschlossen wurden – ein hervorragendes Beispiel für „lebenslanges Lernen“.
Schon seit frühester Jugend war Breininger im Schul- und Laienspiel tätig, unter anderem bei den „Sängerknaben vom Wienerwald“ in St. Gabriel. 2008 bestand er die Bühnenreifeprüfung. Theater und Film sollten immer wieder Stationen seines eigenen künstlerischen Wirkens sein: LISA-Film „Zwei unter einem Dach“ (Regie Peter Weck), „August der Glückliche“ (Regie: Joseph Vilsmaier), sowie die mehrfache Mitwirkung bei den Festspielen Gutenstein „Bauer als Millionär“ (Regie Ernst Wolfram Marboe) und „Gustav Klimt – das Musical“ (Regie Dean Welterlen).
Als junger Buchhändler machte Breininger die Buchhandlung zu einem Ort der Begegnung und der Bildung. Das Gespräch und die Auseinandersetzung mit Autorinnen und Autoren unterschiedlichster Genres standen im Zentrum der „Literarischen Begegnungen“, bei denen er über 400 Gäste begrüßen konnte. Um nur einige zu nennen: Friedrich Torberg, Christine Busta, Friedrich Heer, Kurt Waldheim, Hugo Portisch, Erhard Busek, Alois Mock, Fritz Habek, Erich von Däniken, Klaus Emmerich, Christiane Hörbiger, H. C. Artmann, Elisabeth Orth.
Als Initiator und Hauptorganisator prägte Breininger von 1972 bis 2006 gemeinsam mit den Buchhandlungen Schütze und Zweymüller die Landesbuchausstellungen in Baden.
Während seiner Zeit als Bürgermeister der Stadt Baden von 1988 bis 2007 übernahm Breininger zugleich das Amt des Präsidenten der Volkshochschule Baden. Als sich im Jahr 1992 für die Volkshochschule eine existentielle Herausforderung abzeichnete und die bisherigen Räumlichkeiten aufgegeben werden mussten, war es Breininger, der mit Weitblick und Entschlossenheit durch die Bereitstellung des Hauses Johannesgasse 9 und dessen umfassende Adaptierung für Zwecke der Erwachsenenbildung eine zukunftsweisende Lösung ermöglichte. So wurde der Fortbestand gesichert und zugleich der Grundstein für ihre Entfaltung gelegt.
Auch nach dem Ende seiner Amtszeit blieb August Breininger der Volkshochschule Baden eng verbunden. Als Vortragender, ab 2009 als Ehrenpräsident auf Lebenszeit, bereicherte er die Institution mit seiner geistigen Präsenz und seinem Engagement für die Erwachsenenbildung nachhaltig.
Besonders hervorzuheben ist sein langjähriger Philosophiekurs „Alle Menschen sind Philosophen – von der Lust am Denken“, der sich über viele Jahre hinweg zu einem festen Bestandteil des Bildungsprogramms entwickelt hat und bis heute zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu reflektiertem Denken anregt. Bis heute ist Breininger als Referent in der Volkshochschule tätig.
HUBERT PETRASCH
