Zwischen den Sprachen
Wenn Barbara Pumhösel, geboren 1959 in Neustift bei Scheibbs, mit sechs Jahren das Schreiben erlernt hat, dann verbrachte sie bis heute die Hälfte ihres bisherigen Lebens schreibend in Italien.
Nach dem Studium der Romanistik in Wien, Studien- und Arbeitsaufenthalten in Großbritannien und Frankreich ist sie seit 1988 in der Nähe von Florenz sesshaft, ist dort im literarischen Leben integriert, arbeitet als Lektorin, in der Leseförderung und wirkt als Leiterin von Lyrikwerkstätten in Schulen und Bibliotheken. Schon im Rahmen ihres Studiums, das sie 1987 abschloss, nahm sie an Tagungen der Internationalen Kinderbuchmesse in Bologna teil und arbeitete als Deutschassistentin in Italien. Lang ist die Liste ihrer italienischen Publikationen und Übersetzungen, für die sie Lyrikpreise („Popoli in cammino“ 2007, „Fiorino d’argento“ 2008 des Literaturpreises „Premio Firenze Europa“) und Kinderliteraturpreise erhielt.
Zwei Jahrzehnte befasste sie sich in Poetikseminaren und Vorlesungen mit Brodskij, Luzi, Graham, Todorov und anderen in italienischer Sprache und schrieb auf Italienisch. In jüngster Zeit beschäftigt sie sich auch wieder mit der literarischen Realität Österreichs und übersetzte für „Die Grenze geht durch sie hindurch. Notizen zur transkulturellen Lyrik in Österreich“ Gedichte von Tarek Eltayeb, Kundeyt Şurdum, Ana Bilić und Şerafettin Yıldız.
Auf Einladung eines österreichischen Verlags legte sie 2009 wieder Gedichte in deutscher Sprache vor: „gedankenflussabwärts. Erlaufgedichte“. Die Texte sind eine lyrische Annäherung an die Erlauf und ihre Ufer, die auf drei Ebenen stattfindet: historisch-geografisch, autobiografisch – der Blick auf Kindheit und Jugend an den Ufern – sowie metaphorisch – Fluss, Gedankenfluss, Projektion. Der Fluss wird von der Quelle zur Mündung begleitet und gewährt freien Assoziationen Einlass, die aber in der Erinnerung auch durch unsichtbare Fäden verbunden sind, so wie es eine Verbindung und ein gegenseitiges Bedingen einer Art zu schreiben gibt, wenn eine Autorin wie Pumhösel in zwei Sprachen vor allem Lyrik hervorbringt.
Text: Toni Kurz
