Fritz Simak

Medienkunst
Künstlerische Fotografie
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© Stefan Sappert

Fotografie auf den Spuren von Fluss und Stillstand

Den Würdigungspreis in der Sparte „Medienkunst – Künstlerische Fotografie“ erhält Fritz Simak, der in Niederleis im Weinviertel aufwuchs. Hier entstanden auch zentrale Arbeiten seines Œuvres, wie 1972 die fotokonzeptuelle Zaun-Sequenz aus vierundsechzig zum Tableau angeordneten Kleinbild-Kontaktabzügen, die die Perspektivität des fotografischen Bildraums reflektieren; 1976 fotografierte er Schnee-verwehungen, die in abstrakten, schwarzweißen Formationen über den Bildraum zu fließen scheinen; oder ab 1993 mit einer Großformatkamera panoramatische Landschaften in Farbe, in denen er etwa vor Augen führt, wie rasch Verschattungen durch wandernde Wolken das Terrainbild verändern.

Schon ein kursorischer Überblick macht deutlich, dass Simaks künstlerisches Interesse kaum in einer autorenfotografischen Handschrift fassbar wird. Vielmehr zeichnet sich seine Arbeit durch eine eingehende Auseinandersetzung mit apparativen und chemischen sowie bildgenerativen Bedingungen des Mediums aus, die er in thematisch, bildsprachlich und -typologisch sehr unterschiedlichen Serien entwickelt. Herausragend ist die stringente Konzeption seiner jeweiligen Fragestellung sowie die Qualität der Umsetzung, in der sich seine Expertise in analogen Prozessen niederschlägt.

Dabei ist Simaks künstlerisches Schaffen durch eine profunde Kenntnis der Fotogeschichte geprägt. Eine intensive Rezeption von Werken verschiedener Epochen hatte bereits in seinen fotografischen Anfängen als Musikstudent eine wichtige Fundierung gelegt. Später folgten ein Kunstgeschichte-Studium und die kuratorische Arbeit an Ausstellungen, die historische Werke mit zeitgenössischer Fotokunst in Konstellation setzten. Zudem widmet er sich seit Jahrzehnten einer leidenschaftlichen Sammeltätigkeit.

Die vergleichende Bildbetrachtung ist aber nicht nur ein Hintergrund von Simaks Kunst, sondern wird auch in besonderer Weise durch diese angeregt, insofern sich dadurch seine unterschiedlichen Werke als eine konsequente Untersuchung des Mediums erkennen lassen. Der Gegenstand dieses analytischen Interesses ist die Fotografie als zeitgebundene Aufzeichnung von Licht und Schatten. Aspekte des medienspezifischen Index-Charakters manifestieren sich vielfältig in aufgenommenen Spuren, vor allem Resultate elementarer physikalischer Prozesse, wie Fleckenbildung auf Straßen und Mauern, in Natur oder Küche. Weiters setzt Simak kontrastreiches Chiaroscuro zur Darstellung von Plastizität ein; in entsprechender Bildschärfe machen seine Fotografien auch Stofflichkeit und Textur über präzise Hell-Dunkel-Effekte greifbar; und schließlich nutzt er das Tonwertespektrum der Schwarzweißfotografie zur Transformation des Aufgenommenen in autonom-abstrakte Gestaltung.

Ein zentrales Leitmotiv in Simaks künstlerischem Werk ist die Temporalität der Fotografie, einsetzend mit seinen konzeptuellen Kontaktsequenzen, wie etwa Trocknende Schultafel. Auf der motivischen Ebene begegnen uns zahlreiche Prozesse des Fließens, die – festgehalten in Langzeitbelichtungen oder Momentaufnahmen – als Metaphern von Dauer gelesen werden können.

In Farbschüttungen, die durch Arnulf Rainers Face Farces angeregt wurden, ließ sich Simak 2003 eimerweise dünnflüssige Farbe an den Kopf werfen. In den dabei entstandenen Fotografien werden die bildlich eingefrorenen Farbmassen durch seine stoische Mimik paradox konterkariert: Sie treffen wie dramatisierende Übermalung auf sein Gesicht, das die Überzeitlichkeit von Charakterporträts ausstrahlt. Damit gelingt ihm die sinnfällige Verbindung einer Reihe von Überlegungen zu wesentlichen Paradigmen des Fotografischen; darüber hinaus verweist er auch auf den Fluss des Lebens sowie auf eine Haltung, in der man plötzlichen Sturzwellen wohl am besten entgegentritt.

MARIE RÖBL

Diese Textpassage stammt aus der Kulturpreis-Broschüre von 2026