Oper, Meer und mehr
Johanna Doderer, 1969 in Bregenz geboren, studierte Komposition in Graz bei Beat Furrer und anschließend in Wien bei Erich Urbanner und Klaus Peter Sattler.
Seit 2017 wohnt sie in Sitzendorf an der Schmida und ist Obfrau der dortigen Kulturinitiative, die seit 2018 das Festival „hören:Sitzendorf“ bzw. seit 2024 „Klingendes Schloss Unterdürnbach“ durchführt, das einen Schwerpunkt auf zeitgenössische Musik setzt. Für das Weinviertelfestival 2026 realisierte sie das Projekt „Wo ist die Schmida?“, eine Verschmelzung von Literatur, Fotoausstellung und Musik.
Diese Akzentsetzungen im heimatlichen Rahmen begleiten ihr erfolgreiches internationales Erscheinen auf großer Bühne: Bislang zehn Opern erklangen in verschiedenen europäischen Häusern, unter anderem in der Komischen Oper Berlin, im Gärtnerplatztheater München, im Theater an der Wien, in der Staatsoper Stuttgart und im Staatstheater Schwerin. Ihre Kinderoper „Fatima“ erlebte die Uraufführung im großen Saal der Wiener Staatsoper. Zwei ihrer Opern vertonen Libretti von Peter Turrini, der ebenfalls in Niederösterreich lebt und – laut Doderer – der Grund ist, warum sie überhaupt nach Niederösterreich übersiedelte.
Neben ihren Opern schuf Doderer bisher vier Symphonien und mehrere Konzerte für Soloinstrument und Orchester, wobei die Liste der Uraufführungsorte vom Wiener Musikverein bis zur litauischen Hauptstadt Vilnius reicht. Zudem schreibt sie Chorwerke, geistliche Musik, Lieder und Kammermusik. Ihr Werkverzeichnis geht inzwischen bis zur Nummer 171.
Doderer hat eine ihr eigene, sehr persönliche Tonsprache gefunden, die sie zu einer der Profiliertesten unter Österreichs Komponistinnen und Komponisten macht. Ihre stets ausdrucksstarke Musik lotet die Möglichkeiten der Tonalität bis zur Grenze aus, ist kommunikativ und spricht bei all ihrer Neuartigkeit die Zuhörerschaft unmittelbar an.
Gerne arbeitet sie immer wieder mit den selben Musikerinnen und Musikern zusammen, die ihre Werke kennen und verstehen. Für sie schreibt sie, und sie spielen ihre Werke regelmäßig und weltweit. Durch diese konstante Zusammenarbeit entsteht eine außergewöhnliche Qualität.
In Werktiteln wie „Der leuchtende Fluss“, „Der große Regen“, „An die Sonne“ und „Feuerkreis“ spiegelt sich die Naturverbundenheit Doderers. Seit 2018 arbeitet sie am Projekt OZEAN, einer Werkgruppe, die vom Meer inspiriert ist, von seiner Schönheit und zugleich erschreckenden Gewalt. Vom Meer stammen die Menschen und Tiere, es weckt die Sehnsucht, sich verführen zu lassen von der Weite, vom Fernen, vom Unbekannten – von dem, was jenseits dessen liegt, was wir kennen. Aber auch das Wissen um das Sterben der Meere fließt in diese Kompositionen ein sowie der Appell, mit unserem Verhalten im Alltag, selbst in winzigsten Schritten, Veränderung zu bewirken. Teile der OZEAN-Werkgruppe wurden bereits in mehreren Fassungen (Kammermusik bis Orchester) gespielt, und bei diesen Aufführungen spendet Doderer zehn Prozent ihrer Tantiemen an die Organisation Project One Wave (GB), die sich aktiv für die Reinigung der Meere einsetzt. Doderers dritte Symphonie ist dem Ozean gewidmet.
Um beim Wasser zu bleiben und zugleich thematisch zu Niederösterreich zurückzukehren: Mit ihrem Projekt „Seeklänge“ vertont Doderer gewissermaßen österreichische Seen in Kammermusikwerken für Streichquartett und Soloinstrumente. Mattsee, Mondsee, Millstätter See, Fuschlsee und Achensee haben bereits ihre klingenden Pendants gefunden. Als nächstes auf der Liste: der Obersee bei Lunz.
WOLFRAM WAGNER
