Mutige (Um)Bau:Kultur in Pottenstein
Im historischen Ortskern einer niederösterreichischen Kirchensiedlung wurde eine Tapezierwerkstatt in einen offenen Kulturraum transformiert. Die Geschichte des bäuerlichen Hofensembles, die Tradition des Um- und Weiterbauens wird durch Reduktion fortgeführt.
Die Zwischendecke wurde bis auf einen randseitigen Betonsteg ausgeschnitten, der als konstruktive Spur des Bestands das geweißelte Bruchsteinmauerwerk mit der darüberliegenden unverputzten Ziegelmauer verbindet. Es entsteht ein großzügiges Raumvolumen mit freigelegter Dachkonstruktion, in dem unterschiedliche Materialien aufeinandertreffen und die verschiedenen Bauphasen des Hauses sichtbar machen.
Mit Materialaffinität, sauberen Lowtech-Details und unsentimentaler Wertschätzung für den Bestand schafft Panzenböck mit minimalen Mitteln einen maximal flexiblen, offenen und freundlichen Raum.
Das Projekt folgt einer – angesichts knapper Ressourcen, begrenzter Budgets und Klimawandel – zeitgemäßen Baupraxis, deren Aufwand weniger im Materialeinsatz, als in sorgfältiger Planung, handwerklicher Präzision und dem Mut zu unkonventionellen Lösungen liegt.
Für Niederösterreich entsteht hier ein beispielhafter (bau-)kultureller Möglichkeitsraum: Als niederschwelliger Treffpunkt stärkt er das soziale Leben und die lokale Kunstszene und zeigt, wie bestehende Bausubstanz und historische Dorfstrukturen mit wenigen Ressourcen aktiviert werden können – so wird Baukultur selbst zum Teil gelebter Dorfkultur.
ANNA KRUMPHOLZ
