Variation in Serie
Möchte man das künstlerische Werk von Lisa Rastl (geboren 1974 in Mödling) in wenige Schlagworte fassen, dann müssten darunter zwangsläufig die Begriffe „Repro“, „Autorenschaft“ und „Originalität“ zu finden sein.
Aus einer angewandten fotografischen Praxis in der Reproduktion von Kunstwerken für das mumok kommend ergaben sich Fragestellungen zu Original und Kopie nahezu zwangsläufig. Für ihre freien Arbeiten griff sie diese auf und vertiefte sie systematisch.
Das Arrangieren von Bildern und Objekten vor neutralem Hintergrund, die präzise Lichtsetzung, die Farbabstimmung mittels „Color Checker“ sowie die perfekten Aufnahmewinkel sind auch weiterhin die elementaren Bausteine von Rastls Fotografien.
Im Kontext ihrer künstlerischen Serien verwandelt sich das Ergebnis der repetitiven Handgriffe jedoch in eine mediale Wahrnehmungsstudie, für welche die für den Brotberuf notwendige Systematik auf die Spitze getrieben und von Grund auf durchleuchtet wird: So lotet etwa For example: A Vase, 2023, die Grenzen der fotografischen Dokumentation aus, indem bestimmte Einstellungen aufgrund der Beschaffenheit des symmetrischen Objekts ad absurdum geführt werden; zugleich reflektiert Rastl in diesem „Beispiel“ über die eigentliche Kreation solch analytischer Bilder in dem Moment, wo sie sich mit der Geste der aktiv Gestaltenden (mit weißem Baumwollhandschuh) mit ins Bild bringt. Am Ende steht ein ebenso gewitzter wie feinfühliger Kommentar zur Funktionsweise der Fotografie aller formalen Strenge zum Trotz.
NELA EGGENBERGER
