Patricia Mathes

Literatur
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© Stefan Sappert

Poetische Existenz

In ihren eindrücklichen Arbeiten fragt Patricia Mathes nach der Beschaffenheit unserer so leichthin akzeptierten Wirklichkeit. Sie fragt zugleich aber auch nach der Sprache, in der wir ebendiese Wirklichkeit erfahren und – was von besonderer Bedeutung ist –, welche Perspektiven sich damit verbinden. Mathes will also die Welt und ihre Sinn-Angebote nicht nur erfassen, sie will ein neues Blicken möglich machen und damit nichts weniger als auch eine neue Weltsicht (oder eben auch: Welt) aufschließen.

Das Instrument dieser zutiefst existenziellen Erfahrungs-Arbeit, die sie in ihren bislang erschienenen Bänden „im grunde sprichst du schon“ (2025) und „wolkenbruch“ (2026) so sensibel und zugleich eindringlich leistet, ist die poetische Sprache, die selbst Teil dieser intensiven Auseinandersetzungen mit dem vermeintlich Selbstverständlichen wird. Patricia Mathes nimmt, was ebenso auffällig wie erfrischend ist, beim spielerischen Abklopfen der Wirklichkeit und ihrer Normen also weder sich noch ihre Sprache aus.

In der Auseinandersetzung mit Verwicklungen und Konventionen, die sich nicht selten an Details und sogenannten Kleinigkeiten entzündet, zeigt sich eine Reflexion von Welt, die immer auch Selbstprüfung meint. Das verleiht ihren Texten – sei es in Buchform, Zeitschriftenpublikationen oder internationalen Festivalbeteiligungen – eine besondere Stärke. Poesie wird bei Mathes zur Möglichkeit des Umdeutens und Verschiebens, zur reflexiven Verhandlung der Wege vom Gedanken zum Wort.

THOMAS BALLHAUSEN

Diese Textpassage stammt aus der Kulturpreis-Broschüre von 2026