the POOR BOY’s ENTERPRISE

Architektur

Standardprodukte in ungewohnter Verwendung

„Projekt Blindgänger“ im Rahmen von Kunst im öffentlichen Raum NÖ; Auftraggeber: Gemeinde Hof am Leithagebirge, Planung: Marie-Therese Harnoncourt, Ernst J. Fuchs; Statik: Dr. Dipl.-Ing. Karl Heinz Wagner; Sponsoring: Firma Lafarge Perlmoser AG Vertrieb Ost; Wettbewerb: September 1998; 1. Preis: the POOR BOY’s ENTERPRISE; Fertigstellung: Jänner 2000. Aufgabe des Wettbewerbs war es, um die Gebäude der Kulturwerkstätte einen Zaun zu entwerfen, der auch ein Zeichen, ein Logo für den Ort ist. Das Konzept für das Projekt „Blindgänger“, wie die Autoren ihre Arbeit doppeldeutig nennen, sieht anstelle eines Zauns einen linearen Raum vor, der denselben Zweck wie ein Zaun – den der Abgrenzung –korrekt erfüllt, darüber hinaus aber ein vielfältiger Erlebnisraum für die menschlichen Sinne ist. Mit dem begehbaren Weg schaffen die Autoren einen Zugang, der zugleich Durchgang ist, der Besucherinnen und Besucher darauf hinweist, dass sie einen Bereich veränderter und neuerdings öffentlicher Nutzung betreten. Das Material, die Brunnenringe aus armiertem Beton, ist ein Standardprodukt. Es wird von den Entwerfern aber in einer ungewohnten Art und Weise eingesetzt. Anstatt in der Erde sind die innen beleuchteten Betonringe auf der Erdoberfläche angeordnet; auch sind sie nicht dicht aneinandergestoßen, wie dies für einen Brunnen oder Kanal erforderlich wäre, sondern mit Zwischenräumen versehen: weniger, „um durchzuschauen“, als um Licht einzulassen. Mit dem Material Beton wird auf die historische Schicht der früheren Nutzung hingewiesen. Damit wird erinnert und vorausgeschaut. Insofern ist dieser gebogene zylinderförmige Raum ein Transformationsraum, der in den Menschen, die vom profanen Umfeld herkommen, eine Erwartungshaltung hervorrufen kann. Jene, die bloß durchgehen, haben das Raumerlebnis und werden auf die umgebende Landschaft hingewiesen, in die die nördliche Öffnung hinauszielt.

Diese Textpassage stammt aus der Kulturpreis-Broschüre von 2000