Manfred Schilder

Erwachsenenbildung

Neue Art der Musikvermittlung

Ab dem Jahr 1969 entwickelte Prof. Schilder eine audiovisuelle Methode für den Gegenstand Musik, die auf wissenschaftlichen Kriterien aufbaut. Die Methode zeigt sich darin, dass formale und kompositorische Hinweise im Notenbild angebracht werden, um auch den Musiklaien zum gezielten und vertieften Hörerlebnis zu befähigen. Von 1970 an ging er mit Modellstunden, Demonstrationen und Vorträgen damit an die Öffentlichkeit. Die begeisterte Aufnahme des audiovisuellen Musikunterrichts durch die Schülerinnen und Schüler brachte es mit sich, dass viele Eltern Interesse für den Musikunterricht zeigten. Ab 1971 hat er die Eltern in den Bildungsprozess der Kinder eingebunden. Diese Einrichtung wurde von ihm „Musikkolleg“ genannt. Das Musikkolleg wurde so eine Form schulbegleitender Erwachsenenbildung und außerschulischer Jugenderziehung und somit der Idee der gelebten Schulpartnerschaft gerecht. Bis heute hielt er über 250 Musikkollegs ab. Diese neue Form der Vermittlung von Musik fand große Anerkennung nicht nur bei den Teilnehmern, auch das öffentliche Leben würdigte bei verschiedenen Anlässen die Aufbauarbeit von Prof. Dr. Manfred Schilder. Nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ hat er sämtliche grenznahe Gymnasien in den Nachbarländern Tschechien und Slowakei mehrmals mit audiovisuellen Vorträgen zum Thema österreichische Musik besucht, um der Jugend das Gefühl eines gemeinsamen Europas zu vermitteln. Erweiterung fand dieses Musikkolleg im entsprechend vorbereitenden Besuch von Opern- und Konzertveranstaltungen. In den vergangenen Jahren wurden ganze Opernhäuser in Tschechien, Slowakei und Ungarn für Sonderveranstaltungen angemietet. Besonders stark kam hier die Idee der europäischen Völkerverständigung zum Tragen. An dieser Veranstaltungsserie haben bis jetzt 14.000 Menschen teilgenommen.
Weitere Aktionen setzte Prof. Manfred Schilder mit „Das Musikkolleg geht in die Gemeinden“ und mit dem „Niederösterreichischen Musikservice“. Es wurden sämtliche Hauptschulen mit allen Klassen in Niederösterreich aufgesucht und in 3.500 Klassen für 110.000 Schülerinnen und Schüler audiovisuelle Vorträge gehalten. Daran schlossen sich zahlreiche Elternabende an, die die musikalische Erwachsenenbildung zum Ziel hatten. In dieser Aktion sind auch Schulbesuche in Tirol, Salzburg und Oberösterreich eingeschlossen. Referate bei internationalen Kongressen und Tagungen runden die Tätigkeit von Prof. Manfred Schilder ab.
Hat Prof. Schilder schon vor fast drei Jahrzehnten den Musikunterricht weg vom Frontalunterricht zu modernen audiovisuellen Medien gebracht, so wird das Internet als zeitgemäßes Medium ebenfalls schon eingesetzt. Seit dem Jahr 1996 gibt es das Musikkolleg auch im Internet (http://www.aeiou.at/musikkolleg-online). 6.000 Dokumente stehen in deutscher und englischer Sprache zur Verfügung. Rund 55.000 Menschen besuchen im Monat diese Seite im Internet. Die Idee des audiovisuellen Unterrichtes und der damit verbundenen Erwachsenenbildung fand auch Eingang in österreichische Schulbücher. Die audiovisuelle Musikinformation wird von zahlreichen Musikpädagoginnen und -pädagogen im Schulunterricht und vor allem in der Erwachsenenbildung eingesetzt. Prof. Manfred Schilder hat bis jetzt mehr als 60.000 Notendia hergestellt und an interessierte Lehrerinnen und Lehrer an Pflichtschulen, Gymnasien und Hochschulen sowohl in Österreich als auch international weitergegeben.
OStR Prof. Manfred Schilder ist es gelungen, die Jugend über den Bereich der Schule hinaus verstärkt in die Kulturszene einzubinden. Über die Kinder und Jugendlichen wurde der Kontakt zu den Eltern und in den Erwachsenenbildungsbereich hergestellt. Durch sein unermüdliches und engagiertes Wirken konnte die Einstellung der Eltern zum lernenden Kind, das Verständnis für das gemeinsame Musikerleben verbessert werden.
Lebensdaten: Geboren am 31. Mai 1942 in Deutsch-Wagram, Gymnasium in Gänserndorf, Lehrerbildungsanstalt in Wiener Neustadt, Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien, Abschluss mit Lehramtsprüfung aus Musikerziehung. Universität Wien, Studium der Philosophie und Geschichte, Abschluss mit Lehramtsprüfung aus Geschichte und Dr. phil.
Auszeichnungen: 1988 Anerkennungspreis des Landes Niederösterreich auf dem Gebiet der Musikpädagogik, 1993 Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.
Würdigung der Leistung: Seit 28 Jahren versucht Prof. Manfred Schilder in seiner Freizeit Musik an eine breite Öffentlichkeit zu vermitteln. Dabei hat er höchst erfolgreich neue Wege der Erwachsenenbildung und eine neue audiovisuelle Methode eines Kunstverständnisses entwickelt.

Diese Textpassage stammt aus der Kulturpreis-Broschüre von 1999